Rekonstuktionszeichnung
Rekonstuktionszeichnung

Wir sind stets bemüht,neueste historische Erkenntnisse/Belege einzupflegen!


Die Komturei Heimbach, seltener auch Komturei Haimbach, bei der südpfälzischen Ortsgemeinde Zeiskam war eine mittelalterliche Anlage, die aus einem befestigten Klosterhof mit Kirche bestand. Die Komturei wurde von einem Komtur geleitet und diente als sogenannte Kommende zunächst dem Johanniterorden, nach der Reformationszeit seiner katholischen Nachfolgeorganisation, dem Malteserorden, als regionales Verwaltungszentrum.

Heimbach war eine Schenkung, die Kaiser Friedrich Barbarossa 1185 dem Johanniterorden machte. Auch Kuno und Hugo Edle aus Zeiskam, die dem niederen Adel angehörten, schenkten der Komturei beträchtliche Ländereien.

Zur Komturei Heimbach gehörten vier Unterkomtureien, die lateinisch Membra (Mehrzahl von Membrum, Mitglied) genannt wurden.

 

Besitzungen der Komturei und der Membras:

 z.B mehrere Dörfer,die Zeiskamer Mühle, Waldbesitz(Ordenswald in Neustadt),mehrere kleinere Ordens-Bauernhöfe,Weinberge ,Ackerfläche  z.B in Hassloch usw.

 

 


Die wichtigsten Zeitpunkte:

1185- Kein Geringerer,als Kaiser Barbarossa stiftete die Komturei dem Johanniterorden , als Dank für Fürsorge an Pilgern im Heiligen Land. Es war die einzigste Komturei Stiftung, die jemals ein Kaiser machte.

1183 / 89- Bereits Ende des 12. Jahrhunderts unterhielten die Hospitaliter in Speyer (im heutigen Johannitergässchen) ein eigenes Hofgut mit eigener Kapelle. Eben das Membrum Speyer.Unterstellt waren sie der Kommende in Heimbach

1240-Überläßt der Ritter von Scharfeneck seine Besitzungen in Zeiskam der Komturei

1250 übereignete der Graf Emmich von Leiningen und Scharfenberg das Dorf Niederhochstatt, mit allen Rechten.

1260 Graf Emmich von Leiningen überließ die Besitzungen von der Zeiskamer Gemarkung der Komturei.

1272/1287-Membrum Bruchsal kommt hinzu.

1290 übereignete Werner, Schenk von Ramberg, den Herrenhof in Neustadt Mußbach dem Johanniterorden.Die Überschüsse flossen bis 1512 der Komturei Heimbach zu, dann dem Großprior in Deutschen Landen und Komtur von Heimbach, der seinen Sitz im badischen Heitersheim hatte.

1306 bis 1317 war Egeno von Mußbach, Komtur in Heimbach

1310 – Kaiserhochzeit

Kaiser Heinrich VII. aus dem Luxemburger Herrscherhaus verheiratete 1310 seinen Sohn Johann mit Prinzessin Elisabeth von Böhmen. Der Kaiser (damals noch römischer König) weilte mit Gattin Margarethe von Brabant, Bräutigam Johann von Luxemburg, Hofstaat und den Großen des Reiches eine Woche lang in der Johanniter-Komturei Heimbach zu Zeiskam. 

Im Anschluß zogen Johann und die Großen des Reiches in einem prächtigen Festzug gen Speyer, wo sie am Dom vom Vater des Bräutigams sowie seiner und Elisabeth empfangen wurden. Über den Altpörtel zog die gesamte Hochzeitsgesellschaft, eingesäumt von der jubelnden Bewvölkerung Speyers, in ein Fahnenmeer eingebettet geradewegs auf das Westportal des Kaiserdoms zu.

Dort angekommen stieg Johann stolz von seinem prächtigen Pferd herab und ging auf seinen Vater zu, kniete vor ihm nieder und leistete ihm dort den Heiligen Gefolgseid, vorauf ihm sein Vater mit dem Königreich Böhmen belieh. und ihn somit in den Königsstand erhob. Direkt im Anschluß an diese Zeremonie ging die weltliche Trauung von Johann und Elisabeth vonstatten.

Anschließend begab sich der künftige Kaiser Heinrich VII samt seiner Familie und dem gesamten Hofstaat in den Dom, wo die kirchliche Hochzeit vollzogen wurde. Nach der Trauung ging das junge Hochzeitspaar voran mit dem Kaiser und dem Hofstatt auf die Nordseite des Doms, wo es von der Menge jubelnd erwartet wurde. Auf einer Bühne, die zu Ehren des Paares errichtet wurde, nahm das Paar sowie der künftige Kaiser und die Reichsfürsten an der dort aufgebrachten Tafel Platz. Damit begann das eine Woche lang dauernde Hochzeitsfest. 

Nach der Hochzeitswoche begaben sich Johann und Elisabeth nach Böhmen in ihr Königreich (hier sei angemerkt, daß das Königspaar die Dynastie der böhmischen Könige begründete, die bis in die jüngste Vergangenheit Bestand hatte).

König Johann war der größte Ritter-König des 14. Jahrhunderts. Sein Thron war der Sattel, von dem aus er seine politischen Ziele verfolgte. Sein Staatssekretär war Guillaume de Machaut, der größte Minnesänger, Dichter und Komponist. Er komponierte die erste mehrstimmige Messe der Musikgeschichte: „La Messe de Nostre Dame“.  Johann war ein großer Freund Frankreichs und der Päpste. In der Schlacht von Crécy (Normandie) starb er am Beginn des 100-jährigen Krieges als blinder König für Frankreich. Der frühere EU-Ratspräsident, Jean-Claude Juncker lobt ihn als herausragendes Beispiel der Freundschaft zwischen Deutschland und Frankreich im Mittelalter.

Zitat von Dr. Klaus Sütterlin:

König Johann. Ritter auf dem Schauplatz Europa

Klaus Sütterlin,Knecht Verlag

Johann von Böhmen, Sohn Heinrich des VII römisch-deutschen Kaisers:
Ich bin Johann, Graf von Luxemburg und König von Böhmen. Mein Vater, Heinrich VII, war Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Mit 14 Jahren begegnete ich im August 1310 in der Johanniter-Kommende Heimbach zu Zeiskam bei Speyer zum ersten Mal meiner wunderschönen Braut, Prinzessin Elisabeth von Böhmen. Fünf Tage lang hielt mein Vater hier Hof, um die Hochzeit seines Sohnes zu feiern. Die nachfolgende glanzvolle Vermählung im Kaiserdom zu Speyer war der Vollzug seiner politischen Weitsicht. Unserer Ehe entsproß der spätere Karl IV. Wie sein Großvater wurde er Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Er hat in Prag die erste deutsche Universität gegründet. Mein Thron war der Sattel, in dem ich ständig zwischen meinen Stammlanden Luxemburg und Böhmen unterwegs war. Am Höhepunkt meiner Macht nannte man mich den ersten Ritter und galantesten Weltmann. Schon zu meinen Lebzeiten kursierte das Sprichwort: »Ohne den Böhmen erreicht niemand sein Ziel, er erhöht oder stürzt, wen er will."

klick play!

1382-Heimbacher Vergleich

die Ballei Brandenburg sicherte sich gegenüber dem deutschen Großpriorat des Ordens bedeutsame Autonomierechte. Die Abmachung stellte einen wichtigen Einschnitt in der Geschichte des Johanniterordens dar und erleichterte 1538 im Gefolge der Reformation die Aufteilung in einen katholischen Zweig, der sich Malteserorden nannte, und einen protestantischen, der weiterhin den Namen Johanniterorden führte.


1512-Der Komtur vom Heimbach ist gleichzeitig Großprior in Deutschen Landen mit Sitz in Heitersheim Baden.(1512-1546 Johann von Hattstein, + in Speyer, begraben in Heimbach.)

1525 -im Bauernkrieg wurde die Komturei Heimbach von aufrührerischen Bauern des Nußdorfer Haufens geschleift und angezündet; sie wurde nicht wieder aufgebaut.

1621-30Jähriger Krieg:Die Mansfeldischen Truppen hausten sehr schlimm.Heimbach war bereits angesteckt,und man gab ihrem Oberst von Löwenstein 500Reichstahler,damit er die Komturei nicht ganz niederbrannte.In der 5 Monatigen Einquatierung wurde die ganze Gegend bis auf das letzte ausgehungert und geplündert.

1794/95 Die Ruinen wurden durch Soldaten der Französischen Revolution vollends zerstört.

2010- Bei archäologischen Grabungen, die von der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, Denkmalamt Speyer, bei Zeiskam durchgeführt wurden, konnte in 1,5 Meter Tiefe der Boden der ehemaligen Klosterkirche lokalisiert und damit auch deren genauer Standort bestimmt werden.

2011-Die Gemeinde Zeiskam hat an dieser historischen Stelle ein Denkmal errichtet. Es ist ein gotischer Bogen aus Sandstein,er besitzt eine Höhe von 4 und eine Spannweite von 3,5 Meter. Das Denkmal wurde im Frühjahr 2011mit einem Festakt und Historischem Festspiel eingeweiht. 2 Grenzsteine, die von der Komturei Heimbach stammen wurden in das Mauerwerk eingelassen. Sie zeigen das Johanniterkreuz, dessen acht Spitzen auf die acht Seligpreisungen der Bergpredigt im Evangelium nach Matthäus 5,3–12  hinweisen, während die vier Balken die Kardinaltugenden Gerechtigkeit, Tapferkeit, Weisheit und Mäßigung bedeuten.



klick play!